Konflikte gehören zu Führung wie Entscheidungen.
Immer wieder höre ich in meinen Gesprächen von Konflikten, die sich über Wochen oder Monate aufbauen und irgendwann als „unausweichliche Eskalation“ wahrgenommen werden. Differenzen zwischen einzelnen Mitarbeitenden, zwischen Teams oder ganzen Bereichen. Die Frage ist: Warum wachsen Konflikte so stark? Und warum werden sie nicht früher wahrgenommen und geklärt?
Aus meiner Sicht als Coach hat das viel mit Führung zu tun. Mit guter Führung allemal! Jedoch nicht mit fehlender Autorität, sondern mit fehlender Aufmerksamkeit. Konflikte eskalieren, wenn Führung nicht hinschaut, Themen stehen lässt oder sich darauf verlässt, dass sich „das schon regelt“. Frei nach Nena: "Irgendwie. Irgendwo. Irgendwann."
Damit jedoch verlieren Konflikte ihre (positive) Funktion! Orientierung zu geben, wo etwas im System, in der Organisation und an der Richtung nicht stimmt. Denn überall, wo Menschen zusammenarbeiten, entstehen Differenzen. Konflikte sind kein Ausnahmezustand, sondern ein Hinweis darauf, dass Rollen, Erwartungen oder Interessen nicht sauber geklärt sind. Die Frage in Unternehmen ist selten oder weniger, ob ein Konflikt überhaupt existiert, sondern, wie lange er verdeckt bleibt. Also „undercover“ kräftig wirken kann!
In meinen Coachings stelle ich immer wieder fest: Konflikte werden nicht durch "Lautstärke" schwierig, sondern durch das (bewusste oder unbewusste) Aussitzen. Wenn Führung zu lange wartet, entstehen Interpretationen, die weit mehr Schaden anrichten als das eigentliche Thema.
Konfliktfähigkeit bedeutet deshalb für mich: Differenzen frühzeitig wahrnehmen. Gespräche führen, bevor sich Frust verfestigt. Spannung aushalten, ohne sie zu dramatisieren. Und klären, bitte restlos klären, was wirklich im Weg steht. Es sollte nichts offen und unausgesprochen bleiben.
Konflikte zu managen meint dann: Wirklich führen und dabei allen Beteiligten Orientierung und (neue) Richtung geben. Rollen und Erwartungen sauber einordnen und Themen klar strukturieren. Und all dies, bevor eine Sache größer wird, als sie sein müsste. Oder anders ausgedrückt: lassen wir die Mücke nicht zum Elefanten reifen!


